Gleich um 11 Uhr be­ginnt der erste Vor­trag der dies­jäh­ri­gen Ro­sa-​Lu­xem­burg-​Kon­fe­renz. Nach der Er­öff­nung durch die Mo­de­ra­to­ren Ulla Jelp­ke und Andre Sche­er er­ör­tert Jörg Kro­nau­er, So­zi­al­wis­sen­schaft­ler und frei­er Jour­na­list, „die Eu­ro­pa­po­li­tik des deut­schen Ka­pi­ta­lis da­mals (also 1914) und heute“. Knapp 100 Jahre ist es schliess­lich her, als der 1. Welt­krieg aus­brach. Da liegt es nahe einen Ver­gleich zwi­schen den da­ma­li­gen Ent­ste­hungs­ver­hält­nis­sen von Krie­gen und den heu­ti­gen Grün­den her­zu­stel­len. Die sind dem Re­fe­ren­ten nach in der Ex­pan­si­ons­po­li­tik des deut­schen Ka­pi­tals ge­ge­ben. So lege der deut­schen Po­li­tik heute viel daran die Macht­ver­hält­nis­se in an­de­ren Län­dern zu be­ein­flus­sen, wie der Re­fe­rent an­merk­te.

Gleich im An­schluss ein viel er­war­te­ter Vor­trag vom dä­ni­schen Whist­leb­lo­wer An­ders Ka­er­gaard. Der ehe­ma­li­ge Haupt­mann und Ge­heim­dienst­aus­stei­ger sprach über seine Er­leb­nis­se bei der Armee und wes­halb er seine mi­li­tä­ri­sche Kar­rie­re be­en­det hatte. Wäh­rend sei­nes Ein­sat­zes im Irak kam es bei mi­li­tä­ri­schen Ope­ra­tio­nen zu einer Reihe von Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen, wel­che er im An­schluss ver­such­te an­zu­kla­gen. Je­doch er­folg­los. Ein­zig als Lüg­ner sei er dif­fa­miert wor­den, trotz des Vi­de­o­be­wei­ses den er vor­zei­gen konn­te.
Doch nicht nur das, durch seine Ent­hül­lun­gen wel­che da­mals in ganz Dä­ne­mark Ent­set­zen aus­lös­ten und die Re­gie­rung zwangs­wei­se dazu brach­ten Ge­heim­do­ku­men­te zu ver­öf­fent­li­chen, ver­lor Ka­er­gard sei­nen Job und viele Freun­de und Be­kann­te aus sei­nem so­zia­len Um­feld. Sogar aus sei­ner Fa­mi­lie, wel­che seit jeher in mi­li­tä­ri­scher Tra­di­ti­on steht. Noch dazu wurde der Whist­leb­lo­wer und seine Fa­mi­lie von vie­len frü­he­ren Ka­me­ra­den be­droht. Sein Leben war wie er mein­te „zer­bro­chen“. An der Kon­fe­renz mein­te der, wie viele Sol­da­ten an post­trau­ma­ti­schen Be­las­tungs­stö­run­gen Lei­den­de heute hätte er wie­der eine Per­spek­ti­ve und würde Un­ter­stüt­zung von den Leu­ten er­fah­ren die an die­ser Kon­fe­renz teil­neh­men.

Vor dem letz­ten Re­fe­ren­ten Denis Gold­berg, einem süd­afri­ka­ni­schen Bür­ger­recht­ler und Weg­ge­fähr­ten Nel­son Man­de­las wurde eine Un­ter­stüt­ze­rin der seit über ein­ein­halb Jah­ren am Ora­ni­en­platz cam­pen­den Flücht­lin­ge in­ter­viewt. Vor allem die Zu­kunft des Camps ist im Mo­ment mas­siv be­droht. Zwar kün­dig­te der Senat an nicht im Ja­nu­ar zu räu­men, je­doch ist die Zu­kunft des Camp nicht si­cher. Nichts desto trotz zeig­ten sich die an­we­sen­den Flücht­lin­ge kämp­fe­risch. „Wir wer­den wei­ter­hin öf­fent­li­che Plät­ze be­set­zen und un­se­re An­we­sen­heit de­mons­trie­ren.“ Aus­er­dem kün­dig­ten die Flücht­lin­ge in naher Zu­kunft einen Pro­test­marsch nach Brüs­sel an um gegen die eu­ro­päi­sche Flücht­lings­po­li­tik zu de­mons­trie­ren.

Im An­schluss wurde eine Gruß­bot­schaft von Ar­nal­do Or­te­gi ver­le­sen, in wel­cher der bas­ki­sche po­li­ti­sche Ge­fan­ge­ne die Kon­fe­renz grüß­te. Das Pu­bli­kum zeig­te seine So­li­da­ri­tät mit den Men­schen im bas­ki­schen Bil­bao, wel­che heute trotz eines Ver­bots der spa­ni­schen Zen­tral­re­gie­rung de­mons­trie­ren wer­den.