Es ist das zweite Januar Wochenende was uns nach Berlin führt. Seit 1995 organisiert die marxistische Tageszeitung „junge Welt“ hier jährlich die Rosa-Luxemburg-Konferenz, welche an die Ermordung der beiden Revolutionäre und KPD-Gründer, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, am 15. Januar 1919 erinnert.
Das Motto der diesjährigen Konferenz verrät bereits was dieses Jahr im Fokus des Programms steht. Knapp 100 Jahre nach Beginn des ersten Weltkriegs erscheint es nach den damaligen Analysen Luxemburgs und Lenins das sich der Kapitalismus von heute in einer „ähnlich instabilen Situation“ wie damals befindet.
In verschiedenen Vorträgen versuchen Referenten daher die Ursachen und Planungen heutiger Kriege zu erörtern. Ein Highlight wird dabei der Vortrag des dänischen Whistleblowers und Geheimdienstaussteiger Anders Kaergaard. Unter dem Titel „Im Auftrag der herrschenden Klasse“ erzählt der ehemalige Hauptmann von seinen Erfahrungen innerhalb des dänischen Geheimdienstes. Seine Enthüllungen über Menschenrechtsverletzungen bei militärischen Operationen im Irak lösten damals Entsetzen in Dänemark aus und machten aus ihm einen überzeugten Kriegsgegner. Neben ihm stehen weitere hochkarätige Redner auf dem Podium.
Darunter Denis Goldberg, südafrikanischer Bürgerrechtler und Weggefährte Nelson Mandelas, welcher die Perspektive Afrikas als Zielscheibe für neoliberale Kriege charakterisieren wird.
Nicht nur wieso Kriege geführt werden und welche Folgen sie haben, sondern auch wer sie möglich macht versucht eine Podiumsdiskussion zu klären. „Vierte Gewalt und Heimatfront: Wie Medien Kriege möglich machen“ lautet der Titel. Schliesslich sind es Medien die zu großen Teilen die Meinung der Öffentlichkeit beeinflussen. Zum Teil mit verheerenden Auswirkungen wie bei verschiedenen Kriegen in den letzten Monaten und Jahren zu sehen war. Oftmals wurden die Kriege von weiten Teilen der Bevölkerung kritiklos toleriert, was unter anderem zu einer zunehmenden Schwächung der Antikriegsbewegung führte. Mit auf dem Podium steht unter anderem Karin Leukefeld. Als Journalistin für die Junge Welt berichtet sie ständig von den verheerenden Zuständen die durch den vom Westen unterstützten Aufstand in Syrien ausgelöst wurden.
Alles nur ein Teil des Programms. Viele weitere Vorträge und Podiumsdiskussionen werden Kriege und ähnliches thematisieren.
Zwar wird die Konferenz erst am Samstag statt finden, die vielen Referenten sind jedoch bereits Freitag abend in Berlin. In der Ladengalerie der „jungen Welt“ treffen sich am Vorabend die Referenten, Helfer und Mitarbeiter zu einem kleinen Empfang um ins LL-Wochenende zu starten. Eine schöne Möglichkeit ein mal den Sohn von Mumia Abu Jamal kennen zu lernen oder sich mit Denis Goldberg, Mitkämpfer des vor kurzem verstorbenen Nelson Mandela, zu unterhalten.